Ich finde die von #DangerDan in seinem neuen Lied beschriebenen Aktionen sinnvoll. Allerdings denke ich, dass demokratische Institutionen wie z.B. Bildungseinrichtungen öffentlich gegen Faschismus Stellung beziehen müssen. In dieser Rolle sehe ich mich als Dozentin an der Uni. Im Rahmen der Aktionswoche #WissenschaftGegenFaschismus hab ich ein Seminar gehalten, an dem es hier Interesse gab. Weil das umfangreicher ist, hab ich darüber auf Friendica gepostet:
friendica.opensocial.space/dis…
#KeineAngst
Anfang Juni lief die Aktionswoche Wissenschaft gegen Faschismus. Ich forsche selbst nicht auf dem Gebiet und habe daher auch keine nach außen gerichtete Veranstaltung abgehalten. Aber das öffentliche Angebot hat mir Mut gemacht, in einem offenen Seminartermin zumindest gemeinsam mit Studierenden der Physik über die Rolle von Wissenschaft und Wissenschaftler*innen im Faschismus bzw. autoritären Regimen zu reflektieren.Ich hatte das auf meinem Mastodon-Account angekündigt und es gab Interesse an dem Ablauf und den Diskussionen. Es hat etwas gedauert bis ich die Zeit aka Urlaub hatte, das Seminar schriftlich aufzuarbeiten. Hier also die Zusammenfassung.
Vorab sei angemerkt, dass ich es wirklich sehr hilfreich fand, das es öffentliche Vorträge auch aus anderen technischen Bereichen gab. Den Vortrag von @Rainer Mühlhoff hatte ich in der Seminarankündigung mit beworben und mindestens eine der Teilnehmenden war auch dort. (Ich kannte den Inhalt schon dank der Aufzeichnung von der re:publica)
Weil ich wirklich überhaupt nicht einschätzen konnte, wer zu diesem Seminartermin erscheinen würde und wie die Vorbildung war, habe ich darum gebeten als Vorbereitung einmal ein kurzes Video zu schauen, das den Inhalt von Jason Stanleys Buch "How Fascism Works" gut zusammenfasst.
Um den Bezug zur Physik herzustellen habe ich den Studierenden noch den Artikel "Zwischen Autonomie und Anpassung - Die deutsche Physikalische Gesellschaft im Dritten Reich" von Dieter Hoffmann und Mark Walker zur Verfügung gestellt. (Die @DPG e. V. hat ihre Rolle im Nationalsozialismus 2006 von Historiker*innen aufarbeiten lassen - der Artikel ist Teil eines Buches)
Ich habe den Artikel für unsere internationalen Studierenden übersetzt und das ganze Seminar haben wir dann auch auf Englisch abgehalten.
Ich weiß nicht, wieso der Begriff "Drittes Reich" von Historiker*innen verwendet wird. Jedenfalls habe ich zu Beginn des Seminares meine Auswahl der Materialien zur Vorbereitung begründet und den Begriff problematisiert.
Tatsächlich hatten die allermeisten Teilnehmenden sich tatsächlich vorab mit den Materialien beschäftigt. Andere hatten schon Vorwissen aus anderen Seminaren, aber das lies sich sehr gut integrieren und wich nicht besonders von Stanleys Punkten ab, obwohl die Quelle nicht bekannt war. Er ist halt nicht umsonst eine Koryphäe auf dem Gebiet.
Insgesamt war der Ablauf so, dass ich erstmal gesammelt habe, wie denn nun Faschismus funktioniert. Dann haben wir den allgemeinen Zusammenhang zu Wissenschaft hergestellt. Im dritten Schritt haben wir uns angeschaut, welche Disziplinen vor allem unter Beschuss stehen und analysiert, warum das wohl so ist. Zu guter Letzt haben wir dann überlegt, was Wissenschaftler*innen tun könnten/sollten und ich hatte dazu dann auch einen konkreten Arbeitsauftrag vorbereitet (mehr dazu am Ende).
Im ersten Teil wurden dann zunächst ganz viele Beispiele bzw. Manifestationen und ich musste dann ein bisschen sortieren helfen. Erstaunlicher Weise musste ich die ersten beiden Punkte aus Stanleys Buch, Mythische Vergangenheit und Anti-Intellektualismus, dann selber ergänzen.
Ich hab das dann in der Nachbereitung nochmal auf Folien strukturierter zusammengefasst, als es an der Tafel war. (Auf Englisch, da auch das Seminar auf Englisch war. Alt-Texte auf Deutsch.)
In Bezug auf Wissenschaft kam zu allererst die Rolle von Pseudowissenschaft und wie Wissenschaft dem Faschismus dienlich ist. (Bekannterweise sind innere Widersprüche für Faschisten kein Problem - von wegen Anti-Intellektualismus)
Im Anschluss hatte ich eigentlich erwartet, dass bei Physiker*innen als erstes die Klimawissenschaft genannt wird. Aber es gab zuerst intensiven Diskussionsbedarf zu Gender Sciences, die von allen positiv gesehen wurden. Das fand ich bemerkenswert, denn das ist durchaus nicht bei allen Kolleg*innen der Fall, die auf Geistes- und Sozialwissenschaften schon mal herabschauen. Wir haben dann auch gut herausgearbeitet, warum Klimaforschung so stark angegriffen wird: eine existentielle Krise ermöglicht keine Rückkehr in ein "goldenes Zeitalter" oder in die "gute alte Zeit". Ich hatte mir das vorher so auch noch nicht bewusst gemacht. Damit ist es ganz logisch, warum in den USA jetzt auch Programme eingestampft werden, die die Temperatur der Ozeane messen. Die Fakten müssen vom Tisch, weil sie die Basis, auf die der Faschismus aufbaut, erschüttern.
Aus der Klimakommunikation weiß ich, dass es wichtig ist, mit Handlungsoptionen zu enden. Hier einmal aufgelistet, was wir in der kurzen Zeit gesammelt haben.
Für mich war es perfekt, dass "Bildung" genannt wurde. In der Wissenschaft lernen wir ja vor allem darüber, dass wir Fragen stellen. Das Bündnis Osnabrück "Bunt und Solidarisch" @Osnabrück bunt und solidarisch hat bunte Bierdeckel mit Fragen entworfen, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen sollen. Gerade in Bezug auf die anstehende Kommunalwahl im September.
Ich hab dann jeweils zwei Personen einen Bierdeckel gegeben mit dem Auftrag, möglichst eine analoge Frage für die Wissenschaft zu formulieren, wahlweise auch eine davon unabhängige.
Hier die Fragen, die die Gruppen in 10 Minuten entwickelt und zusammengetragen haben. Ich habe die ganz im Sinne eines positiven Brainstormings nicht weiter kommentiert. So würde ich das hier auch gerne halten.
Ich fände es toll, wenn wir solche Bierdeckel mit "Uni für alle" im Rahmen der Kampagne "Wissenschaft braucht Demokratie - Demokratie braucht Wissenschaft" drucken könnten und diese vor allem auch auf dem Campus bei Institutsfeiern - Sommerfeste, Weihnachtsfeier etc. auslegen.
Die Fragen müssen dafür sicher noch geschärft werden. Teils sind sie auch noch zu geschlossen formuliert. Macht gerne mit und postet mir Eure Ideen.
Bitte die Beiträge von anderen nicht kritisieren, damit alle frei von der Leber wegschreiben können. Stattdessen eine eigene Frage rausposaunen. Danke!
Falls Ihr Fragen, Diskussionsbedarf oder Anregungen habt, dann haltet Euch nicht zurück damit.
#WissenschaftGegenFaschismus #NieWiederIstJetzt #KeineAngst











Kit Bashir
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Kit Bashir (Aus.Social)