nicht erst seit dem kontakt mit trans- oder nonbinären menschen frage ich mich, ob ich ein "richtiger" mann bin oder woran das zu erkennen wäre. muss ich denn ein mann sein, reicht es nicht ein möglichst guter mensch zu sein? wofür brauchen wir denn noch gesellschaftliche geschlechter-rollen? braucht ihr die? kennt sich jemand aus?
SunDancer
Als Antwort auf cyber-uwe (er/ihm) • • •nein, weiß keiner. Das ist ja das Problem. Wir tun alle nur so! Das ist wie mit "erwachsen sein". Wie haben wir als Kinder gedacht "boah wie gut die das haben" und nun? Alles nur gefaket und improvisiert!
Deswegen mache ich jetzt mein Ding. Sollte jeder machen. Alles viel entspannter.
Jaddy
Unbekannter Ursprungsbeitrag • •@Schluffiger Schluff @cyber-uwe (er/ihm) Hm, jain. Rollen ordnen ein, definieren und beschränken Erwartungen. Das hat gute und schlechte Aspekte.
Auf der einen Seite wird das Leben überschaubarer, weil du nicht bei jeder Interaktion mit einem zufälligen Menschen von Grund auf neu verhandeln musst, was du erwartest und bietest, was dein Gegenüber erwartet und bietet, und wie ihr miteinander umgeht.
Ohne solche Rollenspiele wäre das Leben unglaublich kompliziert. Wir kriegen ja kaum eine konstruktive Absprache über unsere Wünsche an Rollenveränderungen hin; zum Beispiel im Job.
Rollen aber auch zu einschränkend sein. Zum einen wenn Menschen mit dem scheinbar allgemeingültigen Skript nicht klar kommen (im Job, Familie, Beziehung, Gender) oder wenn andere von der einen auf an
... mehr anzeigen@Schluffiger Schluff @cyber-uwe (er/ihm) Hm, jain. Rollen ordnen ein, definieren und beschränken Erwartungen. Das hat gute und schlechte Aspekte.
Auf der einen Seite wird das Leben überschaubarer, weil du nicht bei jeder Interaktion mit einem zufälligen Menschen von Grund auf neu verhandeln musst, was du erwartest und bietest, was dein Gegenüber erwartet und bietet, und wie ihr miteinander umgeht.
Ohne solche Rollenspiele wäre das Leben unglaublich kompliziert. Wir kriegen ja kaum eine konstruktive Absprache über unsere Wünsche an Rollenveränderungen hin; zum Beispiel im Job.
Rollen aber auch zu einschränkend sein. Zum einen wenn Menschen mit dem scheinbar allgemeingültigen Skript nicht klar kommen (im Job, Familie, Beziehung, Gender) oder wenn andere von der einen auf andere Rollen schliessen ("weil du Rolle X machst, musst du auch Y machen"). Dieser Bruch der Erwartungshaltung ist Konflikt - oder "Humor" a'la Lumberjack Sketch von Monty Python.
Die Rollenkonglomerate hinter Gender sind besonders anfällig für solche Brüche, je mehr Lebensbereiche mit ihnen markiert werden. Und aktuell ist praktisch alles ver(zwei)geschlechtlicht. Dinge, Gefühle, Aktivitäten, persönlicher Ausdruck, Sprache, ...
Der Trick liegt mE darin, die Rollenkonglomerate (Gender, Nationalismen) aufzubrechen, aber die Mikrorollen(spiele) des Alltags ("wir spielen jetzt bezahlen im Supermarkt") zu behalten.
Aubrieta mag das.
Jaddy
Als Antwort auf cyber-uwe (er/ihm) • •@cyber-uwe (er/ihm) Auch wenn es dir selber vielleicht nicht wichtig erscheint, wird dein Mannsein immer noch durch die Wahrnehmung deiner Mitmenschen definiert. So wie sie dich sehen, was sie dir zuschreiben, was sie erwarten und wie sich auf dich reagieren. Auch, mit was du durchkommst an Verhalten, Sprache, usw.
Und das hängt - leider - fast ausschliesslich an deiner körperlichen Erscheinung. Innerhalb von 200ms entscheiden Menschen, welches Genderskript sie mit dir spielen.
Heisst: Du kannst deine Rollen nicht so einfach ablegen, solange andere ihren Part "an dir" weiterspielen.
Deshalb wirst du - als vermutlich bisher hauptsächlich cis Mann - schwer erfahren können, wie es sich in einer anderen Genderrolle anfühlt. Leider wirst du deshalb auch kaum erfahren können, wie viel deines Alltags dein Mannsein (in den Augen anderer) ausmacht. Also, um das böse Wort zu benutzen, deine cis männlichen Privilegien.
... mehr anzeigen@cyber-uwe (er/ihm) Auch wenn es dir selber vielleicht nicht wichtig erscheint, wird dein Mannsein immer noch durch die Wahrnehmung deiner Mitmenschen definiert. So wie sie dich sehen, was sie dir zuschreiben, was sie erwarten und wie sich auf dich reagieren. Auch, mit was du durchkommst an Verhalten, Sprache, usw.
Und das hängt - leider - fast ausschliesslich an deiner körperlichen Erscheinung. Innerhalb von 200ms entscheiden Menschen, welches Genderskript sie mit dir spielen.
Heisst: Du kannst deine Rollen nicht so einfach ablegen, solange andere ihren Part "an dir" weiterspielen.
Deshalb wirst du - als vermutlich bisher hauptsächlich cis Mann - schwer erfahren können, wie es sich in einer anderen Genderrolle anfühlt. Leider wirst du deshalb auch kaum erfahren können, wie viel deines Alltags dein Mannsein (in den Augen anderer) ausmacht. Also, um das böse Wort zu benutzen, deine cis männlichen Privilegien.
Es ist eine Sache, darüber zu lesen; es ist eine völlig andere, von anderen nicht mehr männlich gedeutet zu werden. Ich habe da meine Erfahrungen. Es ist wirklich unvorstellbar, wenn eins es nicht erlebt hat.
Ich bin deshalb ganz besonders aufmerksam bei cis Männern, denen ihr Mannsein "eigentlich gar nicht so wichtig" ist. Wie bei der Geschichte mit den Fischen unten bemerken in der für cis Männer ideal gebauten Welt viele gar nicht, wie viel sie davon profitieren, bzw wie viel ihrer Normalität diese Rolle ausmacht.
An dieser Stelle würde ich tatsächlich intensiver nachforschen wollen, ob wirklich Genderinkongruenz vorhanden ist, oder ob es mehr ein "mich berührt das nicht, ich hab eigentlich kein Problem, also kann ich das ganze auch ignorieren" ist.
Heisst, ganz kurz und überspitzt: Solange es dich nicht stört, als (cis) Mann gedeutet und behandelt zu werden, du dadurch keinen Stress empfindest, es nicht ablegen oder mindestens stark erweitern möchtest, bist du höchstwahrscheinlich (im Kern) ein Mann.
Auch als solcher darfst du dir natürlich deine Gedanken dazu machen und dich von Klischees lösen 😊
Piko mag das.
Jaddy
Unbekannter Ursprungsbeitrag • •@Schluffiger Schluff @cyber-uwe (er/ihm) Grundsätzliche Zustimmung. Vieles ist übertrieben rollen-reguliert. Das sag ich ja auch. Insbesondere die Verknüpfung aller Lebensbereiche mit nur zwei Gendern.
Auf der anderen Seite würden sehr viele Abläufe äusserst aufwändig, eben zum Beispiel bezahlen im Supermarkt, wenn jedes Mal aufs neue verhandelt werden müsste, wer was macht und wie darauf reagiert wird, welche Optionen wir in jedem Stadium haben.
Da wir aber die Rollen Kund'in und Kassiermensch geübt haben, geht das superschnell. Wie tief das drin ist merken wir erst, wenn das Skript unterbrochen wird, zum Beispiel durch unerwartete Nachfragen oder Anforderungen.
Übertrieben wird es dann, wenn du zB in der Autowerkstatt dein Problem schildern möchtest und dir statt wie sonst Hans-G
... mehr anzeigen@Schluffiger Schluff @cyber-uwe (er/ihm) Grundsätzliche Zustimmung. Vieles ist übertrieben rollen-reguliert. Das sag ich ja auch. Insbesondere die Verknüpfung aller Lebensbereiche mit nur zwei Gendern.
Auf der anderen Seite würden sehr viele Abläufe äusserst aufwändig, eben zum Beispiel bezahlen im Supermarkt, wenn jedes Mal aufs neue verhandelt werden müsste, wer was macht und wie darauf reagiert wird, welche Optionen wir in jedem Stadium haben.
Da wir aber die Rollen Kund'in und Kassiermensch geübt haben, geht das superschnell. Wie tief das drin ist merken wir erst, wenn das Skript unterbrochen wird, zum Beispiel durch unerwartete Nachfragen oder Anforderungen.
Übertrieben wird es dann, wenn du zB in der Autowerkstatt dein Problem schildern möchtest und dir statt wie sonst Hans-Günther, Ende 40, einsfünfundachtzig stehend, eine offenbar weibliche Person mit Kopftuch im Rollstuhl gegenüber sitzt. Deine eingeübten Skripte passen nicht auf Anhieb. Du wirst mindestens kurz stutzen und dich besinnen.
Diese verknüpften Rollen müssen wir aufbrechen, aber das Werkstattgespräch selbst (Mikrorolle) ist nach wie vor effizienter als wenn wir es jedes Mal wie beim ersten Mal neu lernen müssten.
Jaddy
Unbekannter Ursprungsbeitrag • •@Schluffiger Schluff @cyber-uwe (er/ihm) Okay, das ganze hängt offenbar an der Definition von "Rolle". Ich verwende den Begriff ungefähr so wie in der Spieltheorie bzw Soziologie. Da ist eine Rolle in den meisten Fällen nicht groß und lebensentscheidend, sondern ein temporärer Satz an informellen Erwartungsregeln für bestimmte Situationen.
Genau wie du sagst: "Ich muss die Regeln und Abläufe kennen".
Zum Spiel "Bezahlen im Supermarkt" gehört zum Beispiel (normalerweise) nicht, den Mund aufzumachen und die Zunge raus zu strecken, und wir wären sehr überrascht, wenn unser Gegenüber das täte oder von uns verlangen würde. Im Spiel „hausärztlichen Untersuchung" ist das hingegen normal.
Heisst: Ich verstehe "Rolle" als kleiner und flexibler, als du offenbar. Im Grunde
... mehr anzeigen@Schluffiger Schluff @cyber-uwe (er/ihm) Okay, das ganze hängt offenbar an der Definition von "Rolle". Ich verwende den Begriff ungefähr so wie in der Spieltheorie bzw Soziologie. Da ist eine Rolle in den meisten Fällen nicht groß und lebensentscheidend, sondern ein temporärer Satz an informellen Erwartungsregeln für bestimmte Situationen.
Genau wie du sagst: "Ich muss die Regeln und Abläufe kennen".
Zum Spiel "Bezahlen im Supermarkt" gehört zum Beispiel (normalerweise) nicht, den Mund aufzumachen und die Zunge raus zu strecken, und wir wären sehr überrascht, wenn unser Gegenüber das täte oder von uns verlangen würde. Im Spiel „hausärztlichen Untersuchung" ist das hingegen normal.
Heisst: Ich verstehe "Rolle" als kleiner und flexibler, als du offenbar. Im Grunde meinst du mit "Regeln und Abläufe kennen [und befolgen]" aber das gleiche wie ich mit Mikrorollen. Und dass von einer nicht auf die andere geschlossen werden sollte, da sind wir uns auch einig. Also zum Beispiel "weil ich dich als Frau wahrnehme, schreibe ich dir komplett alles 'weibliche' zu und verweigere dir alles 'männliche'".
cyber-uwe (er/ihm) mag das.