Jetzt auch noch Berlin. Der Senat hat auf der JustizMinister*innenKonferenz dem Antrag aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zugestimmt, der das Selbstbestimmungsgesetz wegen angeblicher Missbrauchsgefahren verschärfen will.
(pardok.parlament-berlin.de/sta… schwulissimo.de/neuigkeiten/ke…)
Anlass sei der Fall Liebich. Begründung: "Eine Vorsorge für gravierende Missbrauchsfälle erscheint geboten, gerade damit das Kernanliegen nicht deskreditiert wird.“ (Typo im Original)
Punkt 1: Es gab keinen Missbrauch.
Punkt 2: Das Kernanliegen ist ein ganz anderes, als der Berliner Senat offenbar annimmt.
Punkt 3: Dieser Vorstoss spielt gerade den rechten & anti-trans Kräften in die Hände und zerstört die Basis-Erkenntnis des SelbstBestimmungsGesetzes.
Punkt 4: Das SBGG ist der ultimative Test für geschlechtliche Gleichstellung und genau deshalb "konservativen" und rechten zuwider.
Zu Punkt 1: Ja, Liebich hat ziemlich sicher aus Provokation und Trollerei diesen Move gemacht. Aber gebracht hat es nichts, weil deutsche Justiz darauf vorbereitet ist. Es gab keine Verschleierung, kein Untertauchen und auch kein Einschleichen in Frauenräume oder -knäste.
Das erstaunlich hervorragende sächsische JustizVollzugsGesetz plus Verordnung hat vorgesorgt. Bei Haftantritt wird die Situation individuell eingeschätzt. Dabei sollen sowohl die Belange von trans Personen berücksichtigt werden, als auch die der Mitgefangenen und des geordneten Vollzugs. Folge: Ladung nach Personenstand, dann stracks in den Männerknast.
Das thüringische Gesetz (anderer aktueller Fall) hängt noch hinterher, weil es sich nur auf den Personenstand bezieht. Je nun: Es ist 2026. Passt euch gefälligst an. Es gibt ja auch noch nichtbinäre Menschen. Was macht ihr denn dann?
Zu Punkt 2: Das Kernanliegen des SBGG ist, dass Menschen weitestgehend selbst bestimmen, welche soziale Rolle sie im Gender-Theater spielen. Im Gegensatz zur verbreiteten Annahme, dass andere oder gar der Staat diese Rolle aufdrücken, zuweisen, erlauben oder verbieten dürften, oder an bestimmte Bedingungen knüpfen. Dieses Anliegen folgt zwingend aus Punkt 3.
Zu Punkt 3: Die grundlegenden Erkenntnisse zum sozialen Geschlecht sind, dass erstens ca. 1-3% aller Menschen nicht mit dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht klarkommen, sondern lebensbeeinträchtigend darunter leiden. Zweitens gibt es keine nachweislich funktionierenden Tests, das wahre, persönlich empfundene Geschlecht einer Person zu beweisen oder zu widerlegen. Weder durch die Person selbst, noch durch andere (1). Jede "Prüfung" ist also reiner Hokuspokus.
Nochmal: Das wahre soziales Geschlecht (in dem man sich am wohlsten fühlt) kann weder bewiesen noch widerlegt werden. Es gibt keine objektiven Tests dafür. Weder von innen, noch von aussen. Keine belastbaren Gutachten, keine Labortests, keine psychologischen Untersuchungen.
Das hat zwei notwendige Folgen. Nummer eins ist die Selbstbestimmung ohne Prüfung, also das SBGG. Alles andere wäre Willkür und damit grundrechtswidrig (Artikel 3(3) GG plus einschlägige Urteile des BVerfG).
Nummer zwei ist, dass wir überall so viel wie möglich geschlechtliche Segregation abbauen. Sprich: Dass es rein praktisch (und rechtlich, etc) keinen materiellen Unterschied macht, "in welchem Geschlecht" eine Person lebt. Ja, du hast einen Anspruch, dass andere deine Selbstaussage respektieren. Also zB Anrede, Vornamen, etc.
Aber wir wir bauen so viele der Zwei-Türen-Situationen ab, dass es ansonsten keinen Unterschied macht. Dazu müssen wir aber mal genau hinschauen, wo diese zwei Türen überall unnötig sind(2). Auch bei Regeln, die nach Frauen und Männern unterscheiden, ohne die eigentlich gemeinten Kriterien zu benennen, und die nichtbinäre Menschen ausgrenzen oder willkürlich zuordnen. Wir müssen uns genauer klarwerden, welche Aspekte von Geschlecht wir in alle möglichen und unmöglichen Strukturen eingebaut haben, ob sie da wirklich dienlich sind und um was es genau geht.
Den kleinen Rest verhandeln wir dann wie gewohnt im Alltag. Mit möglichst wenig Annahmen über andere, Höflichkeit und Respekt. Mag zunächst ungewohnt sein, nimmt aber insgesamt allen Menschen den Performance-Druck, bestimmte Rollen erfüllen zu müssen. Auch cis Personen.
Der Gegenentwurf kommt von "konservativer“ bis rechtsextremer Seite und lautet: Wir erkennen nur Mann und Frau an, und zwar bei Geburt zugewiesen und unveränderlich. Dadurch können wir sauber Rollen, Vorgaben und Verbote zuweisen, die Geschlechter beliebig trennen und Frauen effektiv von den wesentlichen Mitsprachen ausschliessen. Zwischentöne und Übergänge werden verboten. Wir definieren eine angeblich „natürliche“ Ordnung, letztlich lediglich nur patriarchale Hierarchie ist. Dazu braucht es nicht mal Gesetze, sondern lediglich soziale Konventionen und die Nicht-Ahndung von Verstößen gegen die Gleichbehandlung.
Und deshalb ist, Punkt 4, das SelbstBestimmungsGesetz der ultimative Lackmustest für geschlechtliche Gleichstellung insgesamt. Wenn es praktisch und in alltäglicher Teilhabe weder für eine Person noch für ihre Umgebung einen Unterschied macht, mit welchen Personenstand und Vornamen sie amtlich eingetragen ist, mit welchem Körper auch immer, weil sie einfach akzeptiert wird.
——
(1) Kleine praktische Übung: Beweise dein soziales Geschlecht. Dabei nicht erlaubt sind körperliche Features und Gender-Stereotypen (Kleidung, Präsentation, Verhalten, Vorlieben, etc).
(2) Bestes Beispiel: Toiletten, Duschen, Umkleiden. Viele Umkleiden haben schon Einzelkabinen in einem übersichtlichen Raum. Das gleiche geht bei Toiletten und Duschen.
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Phoebe Klein
Als Antwort auf Jaddy • • •Bei der praktischen Übung mußte ich etwas lächeln, weil ich mich eher auf der körperlichen Ebene bewege.
Ich verweise einfach auf die Aussage, dass trans Körper real sind.
Ich habe erst gestern darüber geschrieben. Sichbarkeit und trans Körper: seattlegayscene.com/2014/05/da…
Um es mit Carmens Worten zu sagten: "Das ist mein Körper, da ist nichts retuschiert." und ja auch mein Körper sieht so aus. Das ist kein Beweis für mein soziales Geschlecht, aber meine körperliche Existenz.
David LaChapelle’s “Once in the Garden” Features All Of Carmen Carrera – Seattle Gay Scene
Seattle Gay SceneLuna Dragofelis ΘΔ🏳️⚧️🐱 mag das.
Jaddy
Als Antwort auf Phoebe Klein • •@Phoebe Klein Ich stelle diese Frage gerne cis Leuten, wenn es um die Existenz und „Echtheit" von trans Identität geht. Bisher konnte mir keine Person einen Weg nennen, ohne Bezug auf Körper oder Stereotype ihr Gender zu beweisen.
Normalerweise endet es mit „ich weiss das eben, dass ich ... bin“.
mögen das
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Phoebe Klein
Als Antwort auf Jaddy • • •Deshalb diskutiere ich eben nicht mehr auf der Ebene. Ich zeige den Menschen einfach das trans Körper echt sind. Wer dann noch an der Echtheit zweifelt, scheint ein Problem mit der Realität zu haben.
Ich werde mal versuchen, da mehr zu dem Thema zu trööten. Weil es mir so vorkommt als, wenn unsere Körper immer als etwas nicht Reales hingestellt werden. ⬇️
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Phoebe Klein
Als Antwort auf Phoebe Klein • • •Und diese Debatte wird sich kein Stück bewegen, solange die Fakten nicht anerkannt werden.
Ich bin körperlich genauso beschaffen wie Carmen und ich habe es so satt, dass so getan wird, als ob ich nicht existiere. ⬅️
Phoebe Klein
Unbekannter Ursprungsbeitrag • • •@kkarhan
Ich will auch nicht mit denen reden, ich will nur nicht, dass die den Diskurs bestimmen. Von der Gesetzgebung und der Gesellschaft ganz zu schweigen.
@jaddy
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Phoebe Klein
Unbekannter Ursprungsbeitrag • • •@kkarhan
Wie gesagt, die interessieren mich null.
Es geht mir, um die Leute, die meinen das SBGG muss irgendwie nachgeschärft werden. Leute, die absolut keine Ahnung haben wie wir leben und wie die Realität aussieht.
Die Leute, die meinen, dass es keine Frauen mit Penis gibt und das alle ohne Vulva in Frauenräumen nichts zu suchen haben.
Das ist so absolut an meiner Lebensrealität und der anderer trans Frauen vorbei. Ich habe keine Lust mehr unsichtbar gemacht zu werden.
@jaddy
Phoebe Klein
Unbekannter Ursprungsbeitrag • • •@kkarhan
Das Problem sind eher die Leute mit verinnerlichter Transfeindlichkeit und davon gibt es verdammt viele.
Die Leute, die meinen ich dürfte nicht in die Damenumkleide, weil ich eine Gefahr für Kinder bin. Und der ganze, andere Unsinn, der so rumgeistert.
@jaddy
Phoebe Klein
Unbekannter Ursprungsbeitrag • • •@kkarhan
Was meiner Meinung nach nur funktioniert, wenn wir trans Körper weiter normalisieren.
Nicht im Sinne von Unterschiede ignorieren und glattbügeln, sondern Vielfalt normalisieren. Indem wir über Unterschiede reden und sie auch zeigen.
Wir müssen trans Körper die Sonderrolle entziehen. Keine Pathologisierung mehr, keinen Voyeurismus mehr.
Körperrealität ist nicht peinlich.
Aber das ganze soll keine Erwartung sein, sondern ein Angebot von Offenheit.
@jaddy
Jaddy mag das.
Phoebe Klein
Unbekannter Ursprungsbeitrag • • •@kkarhan
Ich werde dann mal mehr darüber trööten in den kommenden Tagen.
@jaddy