Eigentlich hatte ich mit "klassisch gendern" nach
deutschlandfunk.de/gottsched-l…
gesucht.
Eine wirklich gute Sendung, die ganz wunderbar bis zu vierhundert Jahre in die Vergangenheit den Umgang mit der sperrigen Geschlechtlichkeit in der deutschen Sprache aufzeigt.
Aber was liefert mir duckduckgo? Komplett erfundenes Zeugs ganz oben.
Ich meine, ich fände das lustig und ich würde glatt den Rechtschreibfehler im Zitat korrigieren - wenn es den Wiki-Artikel überhaupt gäbe.
So, was mache ich jetzt damit? Vielleicht am besten mal Duckduckgo mitteilen, dass ich so einen Mist äusserst uncool finde, wenn ich echte Infos suche. Sie können ja meinetwegen einen Switch "Liefere lieber ausgedachte Fabeln" anbringen, wer das braucht.
Sprache und Kulturkampf: Gendern ist keine moderne Erfindung
Viele betrachten das Gendern als Verhunzung der Sprache - dabei wurde schon in der deutschen Klassik kräftig gegendert.Deutschlandfunk
teilten dies erneut
MS noma
Als Antwort auf Jaddy • • •Interessant ist, dass immer mehr Menschys inzwischen schon die Begrifflichkeiten verwechseln. Was hier, wie auch in einem Beitrag des DLF ("Gästin") als #gendern bezeichnet wird, ist schlicht und ergreifend "movieren". Das heißt, die die neutrale, generische Form wird mit einem Suffix markiert, welches das biologische Geschlecht bezeichnet. Also z. B. aus "Wüter" wird der maskuline "Wüterich" bzw. die "Wüterin".
Beim heute gebrauchten #Gendern wird nur der feminine Suffix angehängt, das heißt, die neutrale, generische Form wird als explizit feminin gekennzeichnet. Am Anfang der Diskussion um feministische Linguistik, gab es sogar die Idee, die generische Form nur als neutrale zu verwenden, und immer, wenn ein Bezug zum biologischen Geschlecht hergestellt werden soll, moviert wird. Also beim "generischen Maskulinum" auch durch die maskuline Movierung. So würde der Zweideutigkeit begegnet, welche ja voraussetzt, dass
... mehr anzeigenInteressant ist, dass immer mehr Menschys inzwischen schon die Begrifflichkeiten verwechseln. Was hier, wie auch in einem Beitrag des DLF ("Gästin") als #gendern bezeichnet wird, ist schlicht und ergreifend "movieren". Das heißt, die die neutrale, generische Form wird mit einem Suffix markiert, welches das biologische Geschlecht bezeichnet. Also z. B. aus "Wüter" wird der maskuline "Wüterich" bzw. die "Wüterin".
Beim heute gebrauchten #Gendern wird nur der feminine Suffix angehängt, das heißt, die neutrale, generische Form wird als explizit feminin gekennzeichnet. Am Anfang der Diskussion um feministische Linguistik, gab es sogar die Idee, die generische Form nur als neutrale zu verwenden, und immer, wenn ein Bezug zum biologischen Geschlecht hergestellt werden soll, moviert wird. Also beim "generischen Maskulinum" auch durch die maskuline Movierung. So würde der Zweideutigkeit begegnet, welche ja voraussetzt, dass sich das Höry, bzw. das Lesy überlegt, ob es sich bei z. B. "Drehern" um Dinge, Personen unabhängig von Genitalien, Tiere, oder um biologisch geschlechtsspezifische Masmenschys oder Femmenschys handelt.
Es hat sich jedoch scheinbar die Position durchgesetzt grundsätzlich ein "generisches Femininum" zu gebrauchen, welches schon deshalb nicht mehr generisch ist, da die neutrale Grundform mit dem femininen Suffix markiert wird. Aber das war auch beabsichtigt, das Argument dazu, dass die maskulinen Menschys nach Jahrmillionen der Unterdrückung dadurch gezwungen werden sollen Empathie zu lernen, indem sie durch diese Sprache ausgegrenzt werden.
Ich habe zwar schon etwas Empathie gelernt und deshalb #vegan geworden, aber wenn ich z. B. als "Kundin" oder "Gästin" angesprochen werde, schließe ich mich freiwillig aus, auch wenn mir dadurch Nachteile entstehen. Das ist ja der Sinn und gewollt.
Für meinen Teil möchte ich aber niemenschy ausgrenzen, daher verwende ich die unmissverständlich generische Formen durch #Entgendern und inzwischen eigentlich nur die Form durch #EntgendernNachPhettberg.
reticuleena Leena Simon
Als Antwort auf Jaddy • • •Sie findet, dass das Problem gar nicht in fehlenden weiblichen Formen liegt, sondern darin, dass "männlich" und "normal" sprachlich gleichgesetzt wird. Gäbe es eine dezidiert männliche Form könnte man bei einer Gruppe unterscheiden: Lehrerinnen - nur Frauen, Lehrer - nicht markiert bzw. gemischt, Lehreriche - nur Männer.
Als "klassisches Gendern" kenne ich das aber nicht.
Jaddy
Als Antwort auf reticuleena Leena Simon • •@reticuleena (DECT 7135) Diesen Screenshot hat sich duckduckgo bzw ChatGPT zusammenfabuliert.
Klingt schon etwas seltsam, Tippfehler - und den Link gibt's natürlich nicht.
Genau das hat mich geärgert: Dass Duckduckgo ungefragt konfabulierten LLM-Unfug liefert.
reticuleena Leena Simon
Als Antwort auf Jaddy • • •Und hast ja Recht. Wusste nur nicht, füe wie weit du es konfabuliert hältst. Denn die Idee mit dem "rich" gibts halt wirklich.
Jaddy mag das.
Ingo Lantschner
Als Antwort auf Jaddy • • •Ich denke, ich weiß, wie es zu dem Eintrag in DuckDuckGo gekommen ist: Es gab einen entsprechenden Wikipedia-Eintrag, dessen Ersteller ich auch kenne. Die Löschung des Artikels halte ich für richtig – auch wenn die Idee hinter »klassisch Gendern« durchaus interessant ist. Der Artikel war, soweit ich mich erinnere, weder ausreichend belegt noch relevant. Dass DuckDuckGo auf gelöschte Artikel verweist, ist das eigentliche Problem.
Ich habe »klassisch Gendern« eine Zeit lang selbst verwendet, bin aber davon abgekommen, da es zu sehr an Goethe & Co. erinnert. Stattdessen bevorzuge ich Begriffe wie »markiertes Maskulinum«, »Gendern 2.0« oder »symmetrische Movierung«. Diese bezeichnen Erweiterungen der Grammatik, die geschlechtergerechte Formulierungen ermöglichen: Leser (alle), Leserich (männl.), Leserin (weibl.) aber auch bspw. Leserix (div.).
Die symmetrische Movierung hat mit dem #Entgendern gemein, dass es ei
... mehr anzeigenIch denke, ich weiß, wie es zu dem Eintrag in DuckDuckGo gekommen ist: Es gab einen entsprechenden Wikipedia-Eintrag, dessen Ersteller ich auch kenne. Die Löschung des Artikels halte ich für richtig – auch wenn die Idee hinter »klassisch Gendern« durchaus interessant ist. Der Artikel war, soweit ich mich erinnere, weder ausreichend belegt noch relevant. Dass DuckDuckGo auf gelöschte Artikel verweist, ist das eigentliche Problem.
Ich habe »klassisch Gendern« eine Zeit lang selbst verwendet, bin aber davon abgekommen, da es zu sehr an Goethe & Co. erinnert. Stattdessen bevorzuge ich Begriffe wie »markiertes Maskulinum«, »Gendern 2.0« oder »symmetrische Movierung«. Diese bezeichnen Erweiterungen der Grammatik, die geschlechtergerechte Formulierungen ermöglichen: Leser (alle), Leserich (männl.), Leserin (weibl.) aber auch bspw. Leserix (div.).
Die symmetrische Movierung hat mit dem #Entgendern gemein, dass es einen neutralen Oberbegriff gibt. Der Unterschied: Beim Entgendern wird der Begriff neu gebildet, z. B. Leser → Lesy, wenn das Geschlecht irrelevant ist. Bei der symmetrischen Movierung bleibt die Stammform neutral, und der männliche Leser wird durch Movierung gekennzeichnet: Leser, Leserich etc.
Weitere Informationen: ingo.lantschner.name/gendern/
#Sprache #Deutsch #Gendern #Gendern2punkt0 #Geschlechtergerechtigkeit
»Gendern 2.0« - geschlechtergerechter Sprachgebrauch
ingo.lantschner.namestevE 🌼
Als Antwort auf Ingo Lantschner • • •@ilanti ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass "(div.)" kein Geschlecht ist! Es ist der Kompromiss einer Bezeichnung einer dritten Option bei der offiziellen Eintragung des Geschlechts für quasi "alle anderen" weil die intergeschlechtliche Person / Bewegung, die diese vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten hat, nicht nur für intergeschlechtliche kämpfen, sondern es auch für andere öffnen wollte. Die Bundesregierung hat dann (obwohl vom Verfassungsgericht nicht vorgegeben und ursprünglich "inter/divers" vorgesehen) allein "divers" festgelegt. Es bräuchte für dieses System also m.E. weitere Formen für weitere "Geschlechter". Welche wären das? Bzw. kann das bei der Vielzahl sinnvoll funktionieren?
Mir gefällt beim entgendern nach Phettberg, dass tatsächlich bewusst und auffällig neutralisiert wird und es damit
... mehr anzeigen- auch bei Leuten ankommt, die sich sonst nicht damit beschäftigen und
@ilanti ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass "(div.)" kein Geschlecht ist! Es ist der Kompromiss einer Bezeichnung einer dritten Option bei der offiziellen Eintragung des Geschlechts für quasi "alle anderen" weil die intergeschlechtliche Person / Bewegung, die diese vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten hat, nicht nur für intergeschlechtliche kämpfen, sondern es auch für andere öffnen wollte. Die Bundesregierung hat dann (obwohl vom Verfassungsgericht nicht vorgegeben und ursprünglich "inter/divers" vorgesehen) allein "divers" festgelegt. Es bräuchte für dieses System also m.E. weitere Formen für weitere "Geschlechter". Welche wären das? Bzw. kann das bei der Vielzahl sinnvoll funktionieren?
Mir gefällt beim entgendern nach Phettberg, dass tatsächlich bewusst und auffällig neutralisiert wird und es damit
- auch bei Leuten ankommt, die sich sonst nicht damit beschäftigen und
- die automatischen Bilder im Kopf befreit werden.
MS noma
Als Antwort auf stevE 🌼 • • •@stevE @ilanti
Ich finde interessant, was #DanielScholten im Video "Das Genus ist dem Sexus sein Nexus"¹ irgendwo äußert, nämlich - so ungefähr - dass für ein Personalchefy der Sexus so gut wie nie eine Rolle spielt und auch nicht spielen darf. Das ist ja Ziel der Gleichstellung. Ergo soll sich dieses Chefy das Bewerby auch nicht irgendwie "vorstellen", sondern unvoreingenommen auf die Befähigungen für den Job achten. Mit den "m w d" werden irgend welche Bilder verknüpft, was also unerwünscht ist.
Du hast Recht, für mich fallen beim Entgendern nach Phettberg auch alle diese Bilder weg. Diese Form erfüllt genau das, was die generische Form aussagt, nur dass sie nicht durch Unkenntnis der Grammatik missverstanden werden kann.
¹ belleslettres.eu/content/dekli…
Die empirischen Forschungen der feministischen Linguistik
Belles Lettres – Deutsch für Dichter und DenkerIngo Lantschner
Als Antwort auf MS noma • • •@noma
Die Auswahl der Mitarbeiter orientiert sich teils am Geschlecht, etwa wenn ein ausgewogenes Team erwünscht ist. Trotzdem hast du recht, dass ein Personalchef kein guter ist, wenn er sich nicht vorstellen kann, dass Frauen programmieren oder Männer Kinder gärtnern können. Das schränkt seine Auswahlmöglichkeiten ein. Da sind wir uns einig.
Damit aber zur Frage, was führt dazu, dass wir uns bei »Personalchef« einen Mann vorstellen? Oder andersherum: Welche Bilder tauchen bei »Personalchefy«, »Programmiery« oder »Kindergärtny« auf? Bei mir ist das »Personalchefy« ein eher niedlicher Personalcheferich – insofern sympathischer als der klassische »Personalchef«, aber immer noch männlich. Der Suffix ‑ly in Verbindung mit dem dritten Genus (neutrum) tönt halt sehr nach Diminutiv, was wohl dazu beiträgt, dass Entgendern nach Phettberg sympathisch r
... mehr anzeigen@noma
Die Auswahl der Mitarbeiter orientiert sich teils am Geschlecht, etwa wenn ein ausgewogenes Team erwünscht ist. Trotzdem hast du recht, dass ein Personalchef kein guter ist, wenn er sich nicht vorstellen kann, dass Frauen programmieren oder Männer Kinder gärtnern können. Das schränkt seine Auswahlmöglichkeiten ein. Da sind wir uns einig.
Damit aber zur Frage, was führt dazu, dass wir uns bei »Personalchef« einen Mann vorstellen? Oder andersherum: Welche Bilder tauchen bei »Personalchefy«, »Programmiery« oder »Kindergärtny« auf? Bei mir ist das »Personalchefy« ein eher niedlicher Personalcheferich – insofern sympathischer als der klassische »Personalchef«, aber immer noch männlich. Der Suffix ‑ly in Verbindung mit dem dritten Genus (neutrum) tönt halt sehr nach Diminutiv, was wohl dazu beiträgt, dass Entgendern nach Phettberg sympathisch rüberkommt.
Dass »Chef« bei mir vorwiegend männliche Bilder hervorruft, liegt daran, dass ich vor allem Chefs wahrgenommen habe, die Männer waren. Frauen wurden seit den 30ern mit »‑in« gekennzeichnet. Hatte eine Frau den Posten, war sie Chefin, nicht Chef. Das machte es schwerer, die Stammform »Chef« als geschlechtsneutral zu sehen. Spätestens mit der Erkenntnis, dass Geschlecht nicht immer eindeutig ist, stoßen Systeme ohne neutrale Formen an Grenzen. #Entgendern oder symmetrische Movierung wären mir lieber als das umständliche »Chefinnen und Chefs«, das vorgibt, alle einzuschließen.
@stevE
#Gendern
#Gendern2punkt0
MS noma
Als Antwort auf Ingo Lantschner • • •@ilanti @stevE
Aha, Du hast diesen Beitrag vom Scholten nicht angeschaut! 😜
Wie ich mir den Personalchef vorstelle, liegt vor allem daran, welches Bild ich im Kopf habe. Das Bild kommt nicht durch Sprache, es ist die Erinnerung an bekannte Personalchefs. So wie für mich inzwischen ein "Arzt" eher eine Frau ist, da ich in letzter Zeit vornehmlich mit weiblichen Ärzten zu tun habe. Nur mein Hausarzt ist männlich, aber über 70. Die neue Generation ist, zumindest in meiner Wahrnehmung, überwiegend weiblich.
"Frauen wurden seit den 30ern mit »‑in« gekennzeichnet."
... mehr anzeigenDas stimmt so nicht. Das "Movieren" existiert schon viel länger:
"Besonders produktiv waren Movierungen in der Zeit der Renaissance und des Barock, als zahlreiche substantivierte Adjektive und Partizipien mit -in oder -inn abgeleitet wurden. Einige For
@ilanti @stevE
Aha, Du hast diesen Beitrag vom Scholten nicht angeschaut! 😜
Wie ich mir den Personalchef vorstelle, liegt vor allem daran, welches Bild ich im Kopf habe. Das Bild kommt nicht durch Sprache, es ist die Erinnerung an bekannte Personalchefs. So wie für mich inzwischen ein "Arzt" eher eine Frau ist, da ich in letzter Zeit vornehmlich mit weiblichen Ärzten zu tun habe. Nur mein Hausarzt ist männlich, aber über 70. Die neue Generation ist, zumindest in meiner Wahrnehmung, überwiegend weiblich.
"Frauen wurden seit den 30ern mit »‑in« gekennzeichnet."
Das stimmt so nicht. Das "Movieren" existiert schon viel länger:
"Besonders produktiv waren Movierungen in der Zeit der Renaissance und des Barock, als zahlreiche substantivierte Adjektive und Partizipien mit -in oder -inn abgeleitet wurden. Einige Formen wie die Teutschin oder die Beklagtin [...]"
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Movierun…
Wenn eine "Ausgewogenheit" des Geschlechts das Ziel bei der Einstellung von Mitarbeitys ist, so ist es schon nicht mehr neutral, da die Bewerbys eben genau nicht unabhängig ihres Sexus ausgewählt werden.
Prinzipiell bin ich absolut bei Dir, dass die generische Form das einfachste wäre, nämlich wenn immer dann, wenn der Sexus eine Rolle spielt, (in beide Richtungen) moviert wird. Für mich ist die generische Form jedoch inzwischen durch viele Ideologische Erzählungen so aufgeladen, dass sie immer weniger generisch verstanden wird. Je mehr auf das dualistische System der beiden (eindeutigen!) Geschlechter herumgeritten wird, desto weniger werden Menschys einbezogen, welche nicht in dieses Schema passen. Es ist dies die Zweifachnennung. Bei der Zweifachnennung ist die generische Form auch nicht mehr generisch, da ihr ja die weibliche Form entgegensteht, die generische Form wird dann automatisch nicht mehr als neutral, sondern als männlich interpretiert (oder umgekehrt).
Beispiel: "In dem Teich schwimmen Enteriche (Erpel) und Enten." Die Enten werden nun als eindeutig feminin wahrgenommen.
Lautet der Satz: "Im Ententeich schwimmen Enten", so werden die Enten eher geschlechtsneutral angenommen.
Ein anderes Problem ist so ein Satz wie: "Angela Merkel war die erste Kanzlerin aus der ehem. DDR."
vs.
Angela Merkel war der erste Kanzler aus aus der ehem. DDR."
Im ersten Fall wird sie nur ins Verhältnis zu anderen weiblichen Kanzlern gesetzt, im zweiten zu allen.
#gendern #entgendern
Ableitung neuer Personen- oder Tierbezeichnungen aus bestehenden zur Spezifizierung des Geschlechts
Autoren der Wikimedia-Projekte (Wikimedia Foundation, Inc.)Ingo Lantschner
Als Antwort auf MS noma • • •@noma
... mehr anzeigenDie Aussage, ‚Frauen wurden seit den 30ern mit »‑in« gekennzeichnet‘, war natürlich ein Blödsinn – entschuldigt bitte. Korrekt müsste es heißen: ‚Frauen wurden seit den 30ern vermehrt mit »‑in« gekennzeichnet.‘ Allerdings ist auch das nicht abschließend gesichert. Dieses Thema wird in letzter Zeit vermehrt diskutiert, als eine mögliche Erklärung, warum weibliche Movierungen im deutschen Sprachraum so häufig sind. Zum Vergleich: Im Englischen käme niemand auf die Idee, die Inhaberin des Präsidenten-Amtes als ‚Presidentrice‘ zu bezeichnen. Die Überlegung ist nun: In den 1930er Jahren versuchten die Nazis gezielt auch Frauen zu mobilisieren und einzubinden: Anreden wie ‚Meine Herren!‘ oder ‚Genossen!‘ wurden durch ‚Volksgenossen und Volksgenossinnen!‘ ersetzt. Allerdings wurde den Frauen dabei auch ein ganz bestimmte, v
@noma
Die Aussage, ‚Frauen wurden seit den 30ern mit »‑in« gekennzeichnet‘, war natürlich ein Blödsinn – entschuldigt bitte. Korrekt müsste es heißen: ‚Frauen wurden seit den 30ern vermehrt mit »‑in« gekennzeichnet.‘ Allerdings ist auch das nicht abschließend gesichert. Dieses Thema wird in letzter Zeit vermehrt diskutiert, als eine mögliche Erklärung, warum weibliche Movierungen im deutschen Sprachraum so häufig sind. Zum Vergleich: Im Englischen käme niemand auf die Idee, die Inhaberin des Präsidenten-Amtes als ‚Presidentrice‘ zu bezeichnen. Die Überlegung ist nun: In den 1930er Jahren versuchten die Nazis gezielt auch Frauen zu mobilisieren und einzubinden: Anreden wie ‚Meine Herren!‘ oder ‚Genossen!‘ wurden durch ‚Volksgenossen und Volksgenossinnen!‘ ersetzt. Allerdings wurde den Frauen dabei auch ein ganz bestimmte, von den Männern getrennte, Rolle zugewiesen, weshalb die Trennung im Sprachlichen auch Sinn ergab. Bei ‚Genossen‘ konnten sich alle mitgemeint fühlen. Bei ‚Volksgenossen und Volksgenossinnen!‘ muss ich mich entscheiden, ob ich der Volksgenosse oder die Volksgenossin bin.
@stevE
MS noma
Als Antwort auf Ingo Lantschner • • •Im englischsprachigen Raum wehren sich gerade die #Feministinnen gegen die sexualisierung der Sprache bzw. der Anrede. Eine Schauspielerin möchte dann als "actor" und nicht als "actress" angesprochen werden, also nicht hervorgehoben als weiblich, sondern primär als den Beruf ausübend. In Finnland übrigens genau so. So konnte ich in der Übersetzung eines Buches der Feministin #SofiOksanen irgend eine Feminisierung finden. Ich finde diese Herangehensweise sehr interessant und noch interessanter, weshalb gerade hier so viel Gesellschaftsspaltung geschieht, damit genau das Gegenteil gemacht wird. Welche Interessen stecken alle hinter dieser Ideologie? Ist es nur eine, sind es verschiedene? Was soll bewirkt werden, was wird bewirkt?
stevE 🌼
Als Antwort auf MS noma • • •Deutschland ist besessen von Genitalien: Gendern macht die Diskriminierung nur noch schlimmer
Der TagesspiegelIngo Lantschner
Als Antwort auf stevE 🌼 • • •@stevE danke für deine Rückmeldung, dass »(div.)« kein Geschlecht ist, sondern ein Sammelbegriff. Das leuchtet mir ein. Ich vermeide auch tunlichst, mit Beispielen für nonbinäre Movierungen um mich zu werfen, weil ich es für unpassend und kontraproduktiv halte, Begriffe für andere zu prägen. Das wollte ich mit dem vorangestellte »bspw.« in meinem Post zum Ausdruck bringen.
Deine Frage, ob bei mehr als drei Geschlechtern noch sinnvoll symmetrische moviert werden kann, traue ich aber klar mit Ja zu beantworten. Damit wir vom Selben reden: Movierung meint die Sexusmarkierung von Substantiven mittels Suffixen wie »‑in« oder »‑ich«. Da natürlich beliebig viele solcher Nachsilben gebildet werden können, ist das System unbegrenzt erweiterbar. Das »‑ix« ist eben nur ein Beispiel, das ich irgendwo aufgeschnappt hatte.
Zum Vorteil des Entgenderns, dass es auff
... mehr anzeigen@stevE danke für deine Rückmeldung, dass »(div.)« kein Geschlecht ist, sondern ein Sammelbegriff. Das leuchtet mir ein. Ich vermeide auch tunlichst, mit Beispielen für nonbinäre Movierungen um mich zu werfen, weil ich es für unpassend und kontraproduktiv halte, Begriffe für andere zu prägen. Das wollte ich mit dem vorangestellte »bspw.« in meinem Post zum Ausdruck bringen.
Deine Frage, ob bei mehr als drei Geschlechtern noch sinnvoll symmetrische moviert werden kann, traue ich aber klar mit Ja zu beantworten. Damit wir vom Selben reden: Movierung meint die Sexusmarkierung von Substantiven mittels Suffixen wie »‑in« oder »‑ich«. Da natürlich beliebig viele solcher Nachsilben gebildet werden können, ist das System unbegrenzt erweiterbar. Das »‑ix« ist eben nur ein Beispiel, das ich irgendwo aufgeschnappt hatte.
Zum Vorteil des Entgenderns, dass es auffällig ist und somit zum Nachdenken anregt: Das ist für mich einerseits klar nachvollziehbar zugleich aber auch sein größter Nachteil. Ich kann mit einem entgenderten Text keine Botschaft formulieren, ohne dass sich die Rezipienten – unabhängig vom Inhalt! – gebauchpinselt, veralbert, belehrt, … fühlen. Sie denken dann zwar nach – aber nicht über die Botschaft sondern über die Verpackung. Anders gesagt: Auffällige Movierungen lenken vom eigentlichen Inhalt ab. Die Rolle der Sprache als Grundlage für den gesellschaftlichen Austausch, geht verloren.
#Sprache #Deutsch #Gendern #Gendern2punkt0 #Geschlechtergerechtigkeit