Ich habe eine Frage an Menschen, die sich nonbinär oder agender sehen.

Wie ist es für dich, wenn du einem Formular, in dem du deine Anschrift angeben musst und dort das Feld "Anrede" ein Pflichtfeld ist?

Zur Auswahl stehen :
Herr
Frau
Divers

Aus meiner Sicht ist es eine absolut schlampige Umsetzung des Personstandgesetz. Divers muss wohl als dritte Geschlecht Variante verwendet werden, aber ist definitiv keine Anrede.
Anrede wird meist nur für das Adressfeld für Briefpost verwenden.

Weitere Überlegungen und Hintergrund sind im ersten Kommentar zu lesen.

Bitte teilen für Reichweite.

#queer #nonbinär #enby #hcm

Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (5 Tage her)

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Als Antwort auf Leela Torres

Hintergrund ist, dass unser Personalsystem Geschlecht und Anrede getrennt gepflegt werden können. Anrede darf jeder selbst innerhalb der Auswahl (die aktuell doof ist) selbst.
Anrede muss ja null mit Status in offiziellen Behörden zusammen hängen.
Daher die Frage, wäre es dir wichtig, dass du "keine Anrede" auswählen kannst (oder anderen Vorschlag) , ohne dass du deine Geschlechtsidentität offiziell geändert hast?
Als Antwort auf Leela Torres

Ich krame mal die Goldwaage raus. Eine geschlechtsneutrale Anrede ist was anderes als *keine* Anrede, es sei denn, man möchte wirklich formlos direkt in den Text reinstolpern.

Aber das Hauptproblem bleibt, dass man unabhängig von solchen Menülisten eh nie weiß, was für ein Mumpitz danach in der Praxis als Anrede kommt. Ohne echtes Verständnis davon, was nicht-binär / agender bedeutet, hilft die beste Menüauswahl nix.

Als Antwort auf Leela Torres

@energisch_ Grundsätzlich ist das hilfreich, aber ich finde Ansprache ohne Vornamen trotzdem besser, weil Vornamen in unserer aktuellen Gesellschaft immer noch eine gewisse Privatheit an sich haben. Und ich habe gerade als genderqueere Person manchmal das Bedürfnis, diese Privatheit zu behalten. (In anderen Kulturen/Gesellschaften gibt es da andere Gepflogenheiten und andere "Marker" für den Grad der Privatheit, da ist es vielleicht anders.)
Als Antwort auf Leela Torres

Es ist mE notwendig, die Anrede (separat) wählen zu können.

Nicht alle Menschen können oder wollen ihr (offizielles) Geschlecht ändern. Muss so einePerson also ihr Geschlecht angeben, muss sie entweder lügen (was das offizielle angeht) oder sich selber misgendern.

Ich empfinde die Frage nach der Geschlechtszugehörigkeit oft als unnötig bis übergriffig; in den seltensten Fällen ist sie wirklich begründet (mir fällt tatsächlich kein einziger wirklicher Grund ein).

Als Antwort auf Chubbypunk

@Chubbypunk
Es gibt statistische Daten, die an Behörden übermittelt werden müssen, da ist Geschlecht dabei. Einzig anderer Punkt, der mir noch einfällt ist die Betriebsratswahl, wo es einen Ausgleich an Sitzen für das Geschlecht in der jeweiligen Firma, das als Minderheit gilt. Das Gesetz dafür ist aber noch so alt, dass es noch vom binären Zustand ausgeht... 🙈

Aber ich stimme dir zu, das Geschlecht ist so gut wie nie relevant zu wissen. Selbst bei Dienstkleidung sollte es nur von Körperform und persönlicher Preferenz abhängen. Gibt genug Urteile in die Richtung

Als Antwort auf Leela Torres

Wenn Geschlecht erfasst werden muss, muss das nicht zwangsläufig mit der Anrede verknüpft werden. Man kann theoretisch alle nur mit Guten Tag, Moin oder wasauchimmer anreden (ganz ohne Namen) und Geschlecht wirklich nur da abfragen, wo es bürokratisch vorgeschrieben ist. Das wirkt aus heutigem Sprachgefühl eventuell zunächst etwas weniger höflich, aber den Verlust von "hochachtungsvoll" am Ende förmlicher Post haben wir ja auch irgendwie verkraftet.
Als Antwort auf Aljoscha Rittner (beandev)

@beandev @der_zaunfink
Fände ich auch toll. Aber keine Ahnung ob dann auch "ihre Durchlaucht" und ähnliches damit entsteht. Da könnten sich die Bürokraten wieder überfordert fühlen.
Hatte auch schon Vorschläge gelesen, da dann "moin" oder "Hallo" rein zu schreiben, was ich total feiern würde
Als Antwort auf Leela Torres

Für die Briefanrede gab es ein zusätzliches Feld. Dort war per default: Sehr geehrte... Das konnte bei der Eingabe mit allem ersetzt werden, was der Vertrieb für den Kunden als angemessen betrachtete. Ziel war es, die individuelle Kundenbeziehung wirklich gut abzubilden. Das Geschlecht war völlig nebensächlich. Das Anrede-Feld war nur wichtig, um ggf bei Adressabgleich es etwas einfacher zu haben.
@der_zaunfink
@fink
Als Antwort auf fink

@der_zaunfink
Anrede war ein Standard-Feld, um diese leidigen Herr, Frau,... Sachen zu erfassen, die man aus anderen Systemen immer mitgeliefert bekam (was hier im Thread ja besprochen wurde, was nicht hinreichend ist). Die Briefanrede war der Einleitungssatz, wie man schriftlich die Person Ansprach (Hallo, Sehr geehrter Herr, Liebe, usw usf)
@LeelaTorres
Als Antwort auf Chubbypunk

@Chubbypunk
Ich bin da bei dir. Meistens sind die Erfassung und Markierung überflüssig.

Es bleiben trotzdem noch manchmal anlassbedingt einige Dinge zu navigieren (Anredeformen, Pronomen usw.) Aber die sollten freiwillig und wesentlich flexibler gehandhabt werden.

Positiv sehe ich es, wenn Nicht-Binarität irgendwo explizit sichtbar wird (allgemeine Neutralität leistet das ja nun mal nicht), aber generell bin ich auch dafür, Geschlecht viel weniger wichtig zu nehmen - in den allermeisten Situationen ist es das nicht.

@LeelaTorres

Als Antwort auf Chubbypunk

Als Antwort auf Chubbypunk

Als Antwort auf Leela Torres

Änderung "einfach so" finde ich sehr wertvoll. Aber die Auswahl "Herr, Frau, Divers" lässt mich immer das schlimmste erahnen. Divers ist halt keine Anrede und Briefe an "Divers; Vorname Nachname" oder "Guten Tag Divers Nachname" sind jetzt keine tollen Erfahrungen.
"Herr, Frau, Neutral" o.Ä. wirkt deutlich vielversprechender. (Und wenn das Geschlecht abgefragt wird, wirkt nur drei der vier Optionen anzubieten einfach stümperhaft.)
Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (4 Tage her)
Als Antwort auf Leela Torres

es gibt die furchtbarsten Möglichkeiten. Wenn man dann divers auswählt - weil obwohl ich mich eher weiblich definiere ich die Anrede Frau nicht sonderlich mag - und dann einen Brief mit
"Hallo Divers Twix" bekommt.

"Guten Tag Twix". Das ist auch Mist.

Vielleicht sollte die Auswahl lauten:
o Vorname Nachname
o Herr Nachname
o Frau Nachname
wenn man es ganz schön machen will auch noch das.
o Nachname
o Vorname

Wenn man schon nach Anrede fragt

Als Antwort auf fink

@der_zaunfink
Ich fürchte wenn bürokratische Schnittstellen gemeint sind, muss dann unbedingt gesetztes und identitätskonformes Zeug hin, wo wir beim Mist vom Anfang sind. Da geht doch keine progressiven selbst gewählten Angaben.
Wenn Geschlecht in Akte steht, außer Statistik und Wahlordnung für niemand sichtbar, wäre ich der Meinung, dass für Kommunikation, sei es jetzt Anschrift, oder Ansprache, was selbst gewähltes gelten müsste. Und da sollte es auch möglich sein auf Anrede zu verzichten.
@fink
Als Antwort auf fink

@der_zaunfink es ist keine geschlechtliche Anrede notwendig.
Aber wenn zur Adresse eine Mail oder ein Brief folgt wäre es schön Menschen so ansprechen zu können wie sie das bevorzugen.
Herr/Frau Nachname ist in unsere Sprache eine korrekte und höfliche Anrede. Jetzt sind neue Optionen dazugekommen und höflicherweise sollte man fragen wie die Menschen denn angesprochen werden wollen.
@fink
Als Antwort auf Early Twix 🏳️‍🌈

Als Antwort auf Early Twix 🏳️‍🌈

@EarlyTwix
Ja klar. Man kann nicht-binäre Anredeformen ergänzen, man könnte aber im Schriftverkehr genauso gut entscheiden, alle Menschen generell ohne Bezug auf ihr Geschlecht anzureden, was vieles vereinfachen würde. Das Gefühl von (Un-)Höflichkeit ist sicher ein Aspekt, der dabei eine Rolle spielen sollte, ich halte dieses Gefühl aber auch in gewissem Rahmen für veränderbar.

@LeelaTorres

Als Antwort auf fink

@der_zaunfink @LeelaTorres. Meine Eltern möchten vielleicht gern mit Herr und Frau Nachname angesprochen werden, und das steht Ihnen zu, genauso, wie es meinem Kind zusteht, mit Vornamen Nachname angesprochen zu werden und Neopronomen zu verwenden.

ich finde es etwas seltsam jetzt vor dem Hintergrund, dass man selbst die Anrede Herr/Frau für sich nicht verwendet sehen möchte, nun anderen nahe zu legen, auch auf diese Anrede zu verzichten 1/

Als Antwort auf Early Twix 🏳️‍🌈

Das Argument kann ich nachvollziehen.

Ich halte eine Gesellschaft, in der Geschlecht nicht bei absolut jeder Kommunikation und gegenseitigen Wahrnehmung zum Thema werden muss, immer noch für erstrebenswert - angesichts der offensichtlichen Nachteile - und ich finde es legitim, Geschlechtsabfragen oder Zuweisungen als Norm in jeder Kommunikationssituation in Frage zu stellen - auch solche mit erweiterten Optionen.

Ich gebe dir aber recht, dass es auch erstrebenswert ist, Menschen die Wahl zu lassen.

Woran ich nicht mehr glaube, ist eine Änderung des bestehenden Systems ohne Verlusterfahrungen und Konflikte. Für mich bleibt es ein Navigieren zwischen legitimen Interessen - ohne eindeutiges Rezept für jede Situation.

@LeelaTorres

Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (3 Tage her)
Als Antwort auf Leela Torres

Ich identifiziere mich zwar persönlich nicht als divers, kreuze aber bei Umfragen, Gewinnspielen, Online-Bestellung und allen Gelegenheiten, bei denen das abgefragt wird, immer die dritte Möglichkeit an.

Einfach nur um die Sichtbarkeit von nonbinären in der Gesellschaft zu erhöhen und den Firmen zu zeigen, dass mehr als zwei Auswahlfelder wirklich notwendig sind.

Als Antwort auf Leela Torres

Mir ist es sehr wichtig, dass die Option "Keine Anrede" zur Verfügung steht, denn ich schreibe in Formulare in beide Felder (VN, NN) meinen Nachnamen.
Ausser für "verwaltungsrechtliche" Vorgänge braucht niemand meine 2 (per SBGG geänderten) Vornamen.

Bietet also z.B. ein Online-Shop keine Option "Keine Anrede" und es gib keine Alternative, sende ich meine Bestellung per eMail, mit dem Hinweis, dass das Formular diskriminierend ist. Hilft oft. Wenn nicht, verzichte ich.

Als Antwort auf Leela Torres

@Frau_Mensch Es ist ein billiger Kompromiss, um sich ein weiteres Datenfeld im Formular zu sparen - aus "divers" wird statt "Sehr geehrte/r Frau/Herr" einfach nur "Guten Tag Vorname Name" in der Grußformel, die Anrede wird weggelassen.

Es ist mir unangenehm aufgefallen, wie ignorant damit umgegangen wird. Man denkt hierbei offenbar nur an die Datenverarbeitung, nicht an die Betreffenden selbst. Buuuh! 👎

Als Antwort auf tomarsch

@tomarsch @Frau_Mensch
Ja, diese Variante würde ich auch total bevorzugen. Es wird bei automatischen Mails eh meist to falsch gegendert.
Teilweise war noch, "damit ich weiß, wie ich dich gendern soll", aber das lässt sich auch fragen.
Ich habe aber mehrfach erlebt, dass selbst mit Unterstützung der Datenschützer, denen auch keiner einen notwendigen Zweck nennen konnte, trotzdem drauf beharrt wurde, dass es gebraucht wird. 🙄

... sind wohl ähnliche Leute wie die, die früher hartnäckig "Fräulein" in Anrede behalten wollten. 😱

Als Antwort auf Leela Torres

Nervt sehr. Wie ja schon gesagt wurde: „Divers“ ist keine Anrede. Ich hab nach der Wahl eines solchen Feldes schon einiges an Grußformeln gesehen; keine davon erscheint mir sinnvoll, angemessen oder respektvoll.

Wobei es auch noch Webshops gibt, die tatsächlich nur „Herr“ oder „Frau“ kennen.

Ich bin mit „Guten Tag“ oder „Hallo“ am Anfang eines Briefes oder einer E-Mail völlig zufrieden, und im Adreßfeld muß da gar nichts stehen.

Als Antwort auf Leela Torres

Dieser Beitrag wurde bearbeitet. (4 Tage her)
Als Antwort auf Leela Torres

Anrede als Pflichtfeld find ich eh schwierig. Braucht wirklich niemand! Ich freu mich aber fast ein wenig, dass wenigstens mal überhaupt mehr als Herr/Frau steht. Aber die Umsetzung ist ein Hinweis auf die lustigen Dinge, die man erwarten kann, wenn "Divers" plötzlich als Anrede verwendet wird, was es eben nicht ist. Mir fallen tausend Varianten ein, wie man quasi alles um gesetzliche Geschlechter hätte besser umsetzen können als das da.
Und dann fällt mir ein, wie oft ich nur Mann/Frau wählen kann, mir jegliche Energie mich zu beschweren oder zu klagen fehlen. Dann seufze ich laut und mache müde mit dem Ausfüllen des Formulars weiter...